Tinnitus

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Hilfestellung bei Tinnitus (Ohrensausen)

Von: Heinz-Gerd Reinkenhoff, Diplom-Psychologe; Copyright © 1997 - 2009. Alle Rechte vorbehalten.
Institut für Angewandte Psychologie u. Psychotherapie, Hofkamp 86, D-42103 Wuppertal

Sie können mir hier eine E-Mail senden oder mich telefonisch im Normalfall dienstags von 17 - 18 UHR u. freitags von 
13 - 14 UHR unter 0202/493 8445 erreichen.

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Auch früher litten Menschen unter Tinnitus, also Ohrensausen, wie zum Beispiel Ludwig van Beethoven oder Martin Luther. Der Begriff "Tinnitus" war vor einigen Jahrzehnten noch weitgehend unbekannt; heute schätzt man, das in den Industrieländern 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung darunter leiden. In Deutschland sind 600000 bis 
1000000 Menschen massiv von Tinnitus betroffen. Die Betroffenen vernehmen quälende Geräusche (Klingeln, Pfeifen, Rauschen, Klopfen, etc.), die aus dem Ohr oder dem Kopf zu kommen scheinen und keinen erkennbaren äußeren Schallquellen zugeordnet werden können. Teils sind diese Geräusche ab und zu, teils ständig vorhanden. Beim Hörsturz ist das Geräusch mit Taubheit auf einem Ohr verbunden, bei der Ménière Krankheit kommt der Schwindel hinzu. Da Tinnitus meist chronisch verläuft und auch medikamentös nicht geheilt werden kann, ist hier eine ganzheitliche interdisziplinäre Herangehensweise gefordert, um den Betroffenen besser helfen zu können.

Es gibt bezüglich der Entstehung von Tinnitus viele unbeantwortete Fragen. Ärzte vermuten beim Tinnitus ein mangelhaft mit Sauerstoff versorgtes Innenohr als verursachende Störung. Werden die Haarzellen nicht mehr ausreichend durchblutet, sterben sie ab. Dauerlärm, ein Schalltrauma und unterschiedliche Formen von Stress können Ursachen für Tinnitus sein. Auch Allergien, Diabetes, Herz- und Kreislauferkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, bestimmte Medikamente (z.B. Aspirin), Geschwulste am Hörnerv und andere Faktoren können Tinnitus auslösen oder verstärken.

Wer das Klingeln im Ohr nicht mehr los wird leidet auch häufig daran, dass man sein Klingeln nicht ernst nimmt. Er kann sich häufig schlechter konzentrieren, hat Schlafprobleme verbunden mit Depressivität und Verzweiflung. Er entwickelt häufig panische Ängste; er kann kaum noch zuhören, was den Kontakt zu anderen erschwert.

In der akuten Phase ("Frischer Tinnitus" in den ersten 3 Monaten), ist eine medizinische Behandlung dringend erforderlich (z.B. Infusionen, Hyperbare Sauerstofftherapie). Nach dieser Zeit ist es zunehmend schwieriger, die Ohrengeräusche medizinisch zu behandeln. Bessert sich der Tinnitus nach 3 bis 6 Monaten nicht, wird er als chronisch bezeichnet. Gerade dann, wenn medizinisch keine Fortschritte mehr erzielt werden und sich Hoffnungslosigkeit breit macht, ist die seelische Betreuung wichtig. Dann sind besonders Kombinationen aus ärztlicher und psychologischer Behandlung erforderlich.

Auch wenn die klassische Medizin bei chronischem Tinnitus im Vergleich zu anderen Krankheiten wenig Hilfestellungen anbieten kann, so gibt es doch wichtige Hilfsmittel. Insbesondere die sofortige medizinische Behandlung ist hier sehr entscheidend. Über die Möglichkeiten medizinischer und alternativer Heilmittel informiert einerseits die Tinnitus-Liga, andererseits ein Buch von Dipl-Psych. Th. SVOBODA (siehe Literatur).

SELBSTHILFE

1986 wurde die Deutsche Tinnitus-Liga e.V. (DTL) in Wuppertal gegründet. Die DTL wuchs schnell und zählte 1996 schon fast 20000 Mitglieder. Sie gibt eine eigene Zeitschrift heraus: das Tinnitus-Forum. Mitglieder können an den Selbsthilfegruppen teilnehmen. Telefonpartner sind freiwillige Mitarbeiter, die in Telefonaten weitergeben können, wie man lernt, mit der Krankheit "Tinnitus" zu leben. In der Zentrale in Wuppertal gibt es neben allgemeinen Informationen Listen von Fachleuten, die Hilfe geben können.
Adresse: Deutsche Tinnitus-Liga, Postfach 210351, 42 353 Wuppertal, Telefon: 0202/24 65 20, E-Mail: dtl@tinnitus-liga.de

PSYCHOLOGISCHE HILFESTELLUNG

Der Tinnitus ist natürlich mit Ängsten verbunden. Hier ist es wichtig, über Hintergründe aufzuklären und mit unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten vertraut zu machen. Tinnitus führt z.B. nicht zu Taubheit, er ist auch nicht gefährlich. Ängste können den Tinnitus verstärken; der verstärkte Tinnitus kann wiederum mehr Angst machen. Allein schon dieser Teufelskreis ist zu durchbrechen. Insbesondere eine dauernde Konzentration auf die Ohrgeräusche verschlimmert die Situation. Hier sind Entspannungsmethoden von großer Bedeutung. Ähnlich wie beim Schmerzerleben (siehe hierzu meinen Artikel über Psychologische Schmerzbewältigung) spielen auch Prozesse der Aufmerksamkeit eine wichtige Rolle bei der erlebten Intensität des Tinnitus. Natürlich ist auch die Frage wichtig, inwieweit die bisherigen alltäglichen Anforderungen weiterhin erfüllt werden können. Gerade hohe Erwartungen an sich selbst können massiven Stress erzeugen und so den Tinnitus auslösen oder verstärken. Von den Therapieformen, die bei der Behandlung von Tinnitus besonders in Frage kommen, wird von Fachleuten immer wieder die Kognitive Verhaltenstherapie genannt. Auch Hypnotherapie kann eine wichtige Hilfestellung zur Bewältigung des Tinnitus sein.

Ein Tinnituskranker kann lernen, mit Hilfe gezielter Selbstbeobachtung eigener Stresssituationen (z.B. mit Hilfe des ABCs der Gefühle) die Zusammenhänge zwischen bestimmten Auslösern, Gedanken und Gefühlen herauszufinden. Diese bewusste Selbstbeobachtung ist etwas ganz anderes als die immer wiederkehrende belastende Innenschau, wo der Körper zunehmend genauer betrachtet wird. Es geht dabei darum, den Teufelskreis aus Stress, negativer Selbstbeobachtung, negativen Gedanken und Tinnitus zu durchbrechen.

LITERATUR

1. Hallam, Richard: Leben mit Tinnitus. Wie Ohrgeräusche erträglicher werden. Quintessenz: Berlin, München 1994: Hallam ist ein erfahrener englischer Klinischer Psychologe, der wertvolle Informationen gibt und andererseits die Kognitive Verhaltenstherapie erläutert.

2. Tinnitus-Forum: Zeitschrift der Deutschen Tinnitus-Liga e.V., die vierteljährlich erscheint. Hier finden Sie aktuelle Informationen, Entwicklungen, Kommentare, Ansprechpartner und vieles mehr.

3. Svoboda, Thomas: So fühlen Sie sich frei von Ohrgeräuschen. Kösel: München 1995: Svoboda, beschreibt sein ganzheitliches Regulationstraining. Er untersucht sowohl medizinische als auch alternative Methoden auf ihre Brauchbarkeit. Er beschreibt Möglichkeiten der Verhaltenstherapie und Kognitiven Verhaltenstherapie und gibt Beispiele für Selbsthypnose.

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Ohrton bietet Informationen, Service und Beratung für Betroffene.

 

Stand der Informationen: 17. Mai 2009

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